Totgesagte leben länger, und im Fall von CCP scheint das wohl besonders zutreffend zu sein. In diesem konkreten Fall geht es mir nicht so sehr um den Zustand CCPs, sondern um die Menge an Kommentatoren die das baldige Ende prophezeien. Und im Fall von unserem Spieleprovider der Herzen kann man nun über einen Mangel an Äußerungen zum inneren und äußeren Zustand nicht klagen.
Killing is just a means of communication
CCP in der Berichterstattung macht schon seit einiger Zeit einen ganz guten Job. Mit Permaband und CCP Guard wurde erfolgreich begonnen non-game-Originale zu etablieren die bei den Fans zumindest bekannt sind, weitgehend auch gemocht werden. Böse Verfehlungen in der Kommunikation an Fans bleiben aus. Natürlich werden Projekte gestrichen (World of Darkness) oder Spielmodelle angepasst (DUST), aber auch wenn solche Entscheidungen teil unpopulär sind so müssen sie dennoch getroffen werden.
Ob das dann auf dem Fanfest, oder jedem Spieler persönlich im heimischen Wohnzimmer mitgeteilt wird, ist aus meiner Sicht eher sekundär – Enttäuschung ist nicht zu vermeiden, weil der Inhalt der Nachricht die Leute trifft. Trotzdem ist der Anteil der bitteren EVE Spieler außergewöhnlich hoch. Es gibt in der Spielebranche sicher noch weitere Publisher (EA, Ubi) die auch keinen besonders guten Ruf haben, aber CCP kriegt für den Job den sie machen schon verdammt viel Schlamm ab.
Die Zahlen sprechen lassen
Dieser Beitrag hier bei CCP Reveals Mediocre 2014 Financials, Layoffs | Eve Online News | TheMittani.com. beschreibt den aktuellen Finanzbericht von CCP, und was Analysten wichtig ist – es gibt keine bösen Überraschungen. Die Lage CCPs wird als gesund wahrgenommen, mit guter Barsituation und konstanten Einnahmen. Man räumt im Hauptprodukt auf, ist spielerbezogen, und entwickelt die Ideen im EVE Universum konsequent fort.
Der Ausflug in das Konsolen-Genre wird zwar abgebrochen, jedoch sicher nicht ohne gelernte Lektion und neue Vorhaben im Legion-Umfeld. Casuals und Action-Fanatiker werden sich mit Oculus und Valkyrie sicher einige schöne Stunden machen, die Ankündigungen und Berichte dazu machen die Runde. Normaler unternehmerische Risiken, Fehlschläge, Erfolge, Strategien.
Extra geschnittene Negativstatistiken werden bspw. in Inner Sanctum of the Ninveah: Tipping Point.widerlegt, denn jeder er sich schonmal eine Anlage hat aufschwatzen lassen weiß, dass sich in einer beliebigen Real-Kurve jeder Trend darstellen lässt. Ob nun steiler Aufstieg oder erdrutschartiger Abstieg, alles geht – man muss nur den richtigen Zeitraum erwischen.
Apple vor dem Kollaps? Nö – bloß ne clevere Wahl des zeitlichen Ausschnitts.
Trotzdem giftet ein nicht unerheblicher Teil der EVE Spielergemeinde was das Zeug hält. Blogs, Forenposts und Kommentare überschlagen sich in Negativmeldungen. Während man das bei Banner-Blogs noch einsehen mag (Blut bringt Klicks), durchdringt diese Apokalypse-Stimmung scheinbar auch die normalen Spieler. CCP ist tot. Das Geld ist alle. Das Personal läuft weg. Projekte sterben.
CEO werden ist nicht schwer..
Aber die werden sich das doch nicht aus den Fingern saugen? Nein, werden sie nicht – sie verkennen nur die Zeichen, und sie haben einen kräftigen Eingangsfilter aktiv. Ein Unternehmen bei dem man keine Kündigungen erlebt, keine missglückten Projekte, keine internen Probleme – so ein Unternehmen besteht aus einer Person und es tut nichts. Wer am Markt Erfolg haben will, muss natürlich Weiterentwicklung vorantreiben. Und im wahren Leben heißt das: Entscheidungen treffen.
Wer glaubt, strategische Entscheidungen können getroffen werden ohne sich zu irren, ohne dass einer abspringt, und ohne (teils existenzielle) Risiken einzugehen, der hat bisher nur entschieden was er zum Frühstück will. Der Lenker von global agierenden Unternehmen ist stetig einem Spannungsfeld von Interessengruppen ausgesetzt. Egal was er tut (auch und vor allem wenn er nichts tut), es wird Kritik geben. Die Kunst ist also nicht, Entscheidungen so zu treffen dass die Kritiker verstummen. Sondern die Kunst ist, die Kritiker anzuhören, ihre Meinung (so sie denn relevant und fundiert sind) einfließen zu lassen und so die Qualität der Entscheidungen zu verbessern. Das heißt wie gesagt nicht, dass danach keine Kritiker mehr übrig sind, denn mit jedem Verstummen eines Kritikers steht woanders einer auf.

Die Hydra der Kritik? Das sollte ich mir schützen lassen. 🙂
Aber die EVE Bitter-Poster wissen das nicht – wie könnten sie auch, ohne je in dieser Situation gewesen zu sein? Und wie sich das für Spaceship-Helden gehört stehen sie auf und posaunen laut ihre unreflektierte Meinung in die Welt – und es ist ihr gutes Recht. Aber deswegen ist es noch lange nicht richtig. Nicht das etwas dagegen spräche seine Lieblings-Features in Eve zu verteidigen, oder Gameplay-Fehlentscheidungen zu beschimpfen. Der EVE Spieler hat natürlich eine Meinung zu dem womit er sich auskennt, mit dem EVE Spiel. Aber globale Produktstrategien verteufeln? Individuelle Personalentscheidungen beschreien? Finanzielle Schieflagen orakeln? Ich denke da überschreitet der 0-8-15 Durchschnittsspieler ein ganzes Stück seine Kompetenzen. Eines ist klar, wenn jemand sich wirklich auskennt mit dem Thema, weiß er das man
- von außen null-komma-nix sehen kann was irgendwie relevant für eine zutreffende Einschätzung interner Vorgänge wäre.
- daher auch nicht den geringsten Grund hat Entscheidungen / Vorgänge zu kritisieren deren Hintergründe man nicht kennt.
Das macht mich relativ sicher das hier Hobby-Trainer am Werk sind (immer diese Fußball-Vergleiche..), die möglicherweise am Spiel die Lust verloren haben, und auf der Suche nach Gründen für ihre Unzufriedenheit recht schnell beim Entwicklerstudio hängengeblieben sind – was läge da auch näher? Das treibt schlussendlich wirklich bittere Blüten wie im Fall Mintchip als DUST-Community-Tante, wo in einem einzigartigen Shitstorm so viel persönliche Beleidigung, Anfeindung und Hasstirade auf ein durchschnitts-narzistisches Vlog-Girlie ausgeschüttet wurde, das man als Mitleser schon mit dem Gedanken spielen musste seinen Account zu kündigen. Ergebnis war die selbsterfüllende Prophezeiung, die Bitter-Spergs haben so lange gespuckt bis Mintchip als Community Manager vollständig verbrannt war. Jeder Text mit ihrem Namen war umgehend zu einem Schlachtfeld geworden. Sie hatten dafür gesorgt, dass das was sie befürchtet haben auch eintreten musste.
Niemals sollte einer souveränen Gruppe das Recht aberkannt werden offen ihre Meinung zu äußern, nicht umsonst ist das gesetzlich verankert. Einige verwechseln das jedoch mit dem gottgegebenen Recht ihre verschrobenen Verschwörungstheorien als Tatsachen hinzustellen, oder schlimmer noch – in Beleidigungen zu verpacken und überall im Internet auszukotzen. Nicht alles was die Tastatur aushält, sollte man auch schreiben. Hier haben einige jedes Gefühl für Angemessenheit verloren, und sie zerstören die Kommunikationskultur jener, die versuchen Kritik sachlich und fundiert anzubringen. Das wirft ein Licht auf die EVE Spielerschaft welches der Sache schadet, die Community stetig zu vergrößern.
Wir EVE Spieler rühmen uns so unserer Intelligenz, unserem gehobenen Altersdurchschnitt und unserer großartigen Community. Dann lasst uns auch entsprechend handeln. Wenn diese giftigen 5% von der Mehrheit nicht die rote Karte gezeigt bekommen, weil letztere Angst haben als opportune Schwachmaten abgestempelt zu werden, wird diese Art von pubertärem Mund-Durchfall nicht wieder verschwinden.
Daher: White Knights rise! Blogger und Poster dieser Erde, erhebet euch.
Frohes Revolutionieren,
Kandoli


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