DEVBLOG – Shadowcat über ihre ersten Schritte in EVE

Meine lieben ALBler,

Eve ist rau und hart – und das sehen nicht nur alle Spieler so, sondern auch die CCP. Einen wirklich lesenswerten Blog-Beitrag von Shadowcat könnt ihr hier finden.

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03.02.2014 CCP Shadowcat

Als ich mich zum ersten Mal in EVE Online einlogge fühle ich mich fast, als würde ich selbst im Cockpit eines hochkomplizierten Raumschiffs irgendwo im Weltall sitzen: Wo bin ich, wer bin ich, was mache ich hier eigentlich – und wozu ist dieser Knopf…? Denn irgendwie ist alles anders, als ich es gewohnt bin.

Also mache ich nach der detaillierten Charaktererstellung (in der ich logischerweise mehrere Stunden festhänge, bis mein Alter Ego die perfekten Wangenknochen, das perfekte Verhältnis zwischen Augenbrauen und Nasenflügeln und die perfekten Strähnchen im Haar hat) etwas, das ich in den letzten Jahren selten gemacht habe: Ich spiele das Tutorial. Und zwar von Anfang bis Ende und nicht, ohne mich dabei ein paar Mal fragend am Kopf zu kratzen.

Dann logge ich allerdings aus – und erstmal für mehrere Tage nicht wieder ein. Denn nachdem mich Aura und die Karriereagenten die ersten Stunde(n) so schön an der Hand genommen haben, werde ich anschließend umso harscher in die kalte Leere des Weltraums gestoßen. Ganz allein mit meinem Anfängerschiff, ein paar mittelmäßigen Modulen und nicht den Hauch einer Ahnung, was ich nun als nächstes tun soll, fühle ich mich ratlos und verlassen. Also lasse ich EVE Online fürs Erste ruhen und beschäftige mich mit anderen Dingen.

Doch irgendwas hat sich in meinem Kopf festgesetzt und nagt sich nun ganz langsam den Weg zu meinem Bewusstsein. Vielleicht waren es die zahlreichen Berichte über epische Kriege im virtuellen Universum, die unzähligen Geschichten über Wirtschaftscoups, Allianzen und Politik, die dieses Spiel beherrschen oder meine Faszination zu Science Fiction, die von der atemberaubenden Darstellung des Weltalls noch geschürt wird. Was es auch ist, ich logge mich irgendwann erneut ein und gebe EVE Online noch eine Chance – nur gehe ich es diesmal anders an, behutsam, fast wie bei einem ersten Date mit einer fremden Person. Ich taste mich langsam vor, bis mir eins klar wird: Um in EVE Online Spaß zu haben, muss ich alte Konventionen, gewohnte Muster und alles, was ich über Online-Spiele weiß, über Bord werfen.

Denn EVE ist kein Spiel, in dem man mal eben schnell eine halbe Stunde zwischen Arbeit und Abendessen ein paar Level aufsteigt oder im Rekordtempo durch einen Dungeon rennt um ein episches Ausrüstungsteil abzustauben und dann mit dem guten Gefühl ins Bett geht, etwas erreicht zu haben, ohne viel Zeit darin zu investieren. Es ist keine schlichte Fingerbeschäftigung, während man auf den Bus wartet oder in einem langweiligen Meeting sitzt und auch kein Free2Play-Titel, bei dem man sich im Notfall einfach den Sieg für bare Münze kauft.*

EVE ist ein Spiel für Denker, Strategen, Händler und Planer. Es bietet nahezu unendliche Freiheit, unendliche Möglichkeiten und damit auch unglaublich viel Spielraum für Aufstiege, hinterhältige Tricks und den freien Fall nach unten. Hier kommt der Begriff „Sandbox“ ins Spiel: Während die meisten anderen Spiele (sogar MMOs) meist einer relativ fest vorgegebenen Linie folgen – manche mehr (Japanische Spiele), manche weniger (Open World) – werdet ihr in EVE Online praktisch ins kalte Wasser geworfen. Alles ist wahr möglich, alles ist erlaubt und wer gewinnen will, muss seinem Gegner immer einen Schritt voraus sein.

Aber was bedeutet „Sandbox“ genau? Stellt euch am besten einen echten Sandkasten auf dem Spielplatz vor. In der einen Ecke bauen zwei Kinder eine pompöse Sandburg, andere tragen aus jeder Ecke des Sandkastens in unterschiedlich großen Eimern Sand zu Bauherren, damit diese sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können – und bekommen für Ihre Mühen ein paar Gummibärchen zugesteckt. In wieder einer anderen Ecke spielen ein paar Kinder ruhig miteinander, tauschen Sammelkarten und liefern sich ein paar harmlose Duelle mit Stöcken. Ein Junge kommt im Auftrag seiner Mutter kurz vorbei und holt eine Sandform ab, die seine Schwester am Tag zuvor vergessen hat. 

Als die Sandburg sich der Fertigstellung nähert, hält fast der ganze Sandkasten gespannt den Atem an – eine so große Burg hat bisher noch nie jemand hier gebaut. Plötzlich brechen aus dem Gebüsch ein paar ältere Kinder hervor und bevor die anderen begreifen, was gleich passieren wird, treten die um Einiges größeren und stärkeren Angreifer die Sandburg nieder und schlagen Spielzeug kaputt. Dann entbrennt logischerweise ein Gerangel, die Kinder aus dem Sandkasten tun sich zusammen um die Eindringlinge zu vertreiben (ein oder zwei Kinder fallen ihren Freunden vielleicht sogar in den Rücken und schlagen sich auf die Seite der Rowdies), es gibt aufgeschürfte Knie, eine blutige Nase und mehr als ein teures Spielzeug wird in ihre Einzelteile zerlegt – doch es gibt keine Erwachsenen in der Nähe, die Eingreifen und den kleinen Kampf unterbinden würden.

Irgendwann ebbt die Rangelei ab, es gibt nichts mehr, um das man sich streiten könnte und so kehrt wieder Ruhe im Sandkasten ein: Die einen bauen eine neue Sandburg, noch besser und größer als die alte, die anderen bringen zusätzlich zu Sand nun auch Erde, Gras und Zweige aus der Nachbarschaft und wieder andere bringen von zu Hause teurere, noch bessere Sandformen mit, um der Burg den nötigen Schliff zu verleihen – oder sie gegen Süßigkeiten zu tauschen.

Wenn ihr anhand dieser Metapher erfolgreich die Parallelen zu den Karrierepfaden und Spielmöglichkeiten in EVE Online gezogen habt, fragt ihr euch bestimmt, wo ihr (oder ich) in dieses Bild passen. Als ich meine ersten Schritte in EVE Online unternahm, stand ich erstmal am Rand des Sandkastens und versuchte die komplexe Hierarchie und das eigene, virtuelle Ökosystem zu verstehen. Vielleicht steckte ich einen Zeh in den Sand, mehr aber auch nicht. Aber das macht gar nichts – ich starte einfach ganz, ganz klein, mit dem Tutorial und ein paar Missionen, die anschließend direkt in meiner Station angeboten werden. Ich fliege für Kuriermissionen von einem Sonnensystem zum anderen, baue ein wenig Erz ab und verdiene damit meine ersten interstellaren Kredits (abgekürzt ISK, genau wie die Währung in Island, wo das Spiel entwickelt wird) und bestehe sogar (gerade so) meine erste kleine Weltraumschlacht gegen hinterhältige Piraten. Natürlich kratze ich hierbei nur an der Spitze des Eisberges, der sich in den Tiefen von EVE verbirgt, denn um Dinge wie Schiffsausrüstung, Implantate, die richtigen Skills oder andere Spieler muss ich mir (noch) wenig Gedanken machen.

Doch ich genieße diese Babyschritte, denn so habe ich, während mich der Autopilot von Bourynes nach Hulm fliegt, genug Zeit, um die digitale Schönheit zu bewundern – die 10 Jahre, die das Spiel bereits auf dem Buckel hat, sieht man ihm dank zahlreicher „Facelifts“ kaum an (höchstens im etwas altmodischen Interface). EVE ist ganz, wie es „ihr“ Name vermuten lässt, einzigartig, bezaubernd und absolut atemberaubend. Da tausche sogar ich als Fantasy-Fan gerne Kettenpanzer und Drachen gegen Laserwaffen, Shuttles und Klonbehälter.

Zuletzt habe ich noch ein paar praktische Tipps, um euch den Anfang zu erleichtern:

Spielt das Tutorial!

Tutorials nerven und meist weiß man alles, was sie einem beibringen wollen, sowieso schon. Bei EVE Online ist das jedoch anders und auch wenn das Tutorial stellenweise mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet, tut ihr gut daran es als neuer Spieler zumindest einmal zu durchlaufen.

Fragt, wenn ihr etwas nicht versteht oder unsicher seid!

Die meisten EVE-Spieler beißen nicht und wenn ihr klarstellt, dass ihr ein Neuling seid, greifen sie euch gerne bei allen Fragen zum Spiel unter die Arme. Traut euch also ruhig, direkt im Chat oder in den Foren zu fragen, wenn ihr euch unsicher seid.

Geht es langsam an!

Stürzt euch nicht Hals über Kopf in die Industrie, eine Spieler-Corporation oder fliegt mit geladenen Waffen los, um den übelsten Piraten am Himmel abzuschießen. Die abenteuerlichen Geschichten rund um EVE schüren eine große Erwartungshaltung und ihr werdet bestimmt mehrmals angeschrieben, einer Corporation beizutreten, doch tut nichts, bevor ihr nicht sicher seid, was ihr wollt und spielt einfach in eurem eigenen Tempo.

Vergesst nicht: Es ist nur ein Spiel!

Egal wie verworren und komplex, letztendlich ist EVE Online „nur“ ein Spiel. Es ist hart, gerade zu Beginn ein Schiff zu verlieren und dann kein Geld mehr zu haben, um ein neues zu kaufen oder sich vor anderen, erfahreneren Spielern wie ein blutiger Anfänger zu fühlen. Doch wie jedes Spiel soll EVE in erster Linie Spaß machen – also habt einfach Spaß und lasst euch nicht stressen 🙂

Wir sehen uns im Weltraum!

Eure CCP Shadowcat

*Es gibt zwar die Möglichkeit, PLEX zu kaufen, wer aber etwas reißen will, muss trotzdem die nötige Fachkenntnis und taktische Finesse mitbringen.

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Hier der Link zum Original-Beitrag: Einsteiger-Blog – EVE Community.

 

 

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