Auf zu neuen Welten ..

Aufbruch – was für ein bedeutungsschwangeres Wort. Völker brechen auf zu neuen Kontinenten, Herr P aus L. an der N. bricht wegen sinkender Sympathiewerte auf in Richtung Westukraine, das Raumschiff Enterprise bricht auf in unbekannte Weiten des Alls, und Pusteln brechen auf weil der innere Druck einfach zu groß wird. Und was tun die EVE Spieler?

Klar, auch sie brechen auf, allerdings hat die Sache bei uns einen Haken. Wirwissen nicht wann, und wir wissen nicht wohin.

Jede Tür die sich öffnet..

Auf dem Fanfest 2013 wurde es erstmals angekündigt – EVE Spieler sollen Gates bauen können. Die Nachricht zur „EVE 2nd Decade“ schlug ein wie eine Bombe. Was für Möglichkeiten eröffneten sich hier? Gates bauen verheißt ja bisher ungekannte Gebiete erobern, Abenteuerlust und Goldrausch stand den Spielern ins Gesicht geschrieben. Der Aufbruch aus dem eigenen tristen und kargen Leben in eine neue und bessere Welt winkte mit einem verführerischen Lächeln.

Ein Jahr später am gleichen Ort gab es dann den Prophecy Trailer zu bestaunen, in dem in schönster Rendergrafik zu sehen war wie ein (etwas ungelenk aussehendes) Stargate sich im Bau befindet. Man schürte also weiter die Erwartungen. Das soll doch hoffentlich auch heißen dass die Einführung dieses Features nicht mehr all zu fern sein kann? Möglicherweise, vermutlich aber wird es sich noch eine Weile ziehen bis wir so weit sind.

Nichtsdestotrotz bieten sie Anlass zu Spekulationen, denen ich mich hier einmal widmen möchte. Murdoch hat in seinem Artikel bereits sehr interessante Gedanken gehabt, die ich noch etwas fortführen werde. Fangen wir also an..

.. führt irgendwo hin

Natürlich stellt sich vor allem anderen die Frage – wohin führen diese Gates? Was sollen die Spieler dort tun oder finden? Will man neuen Content für alle bieten? Oder will man die Aufmerksamkeit der NullSec Powerblöcke ein wenig aus New Eden ziehen, um so den kleineren Entitäten mehr Raum zum Atmen zu geben? Aber wenn das Ziel der Stargates die Aufmerksamkeit erregen soll, muss dort etwas Lohnenswertes zu finden sein. Und genau dieses Lohnenswerte würde die ohnehin potenten Powerblöcke weiter stärken, sobald sie es ihren Mitspielern vor der Nase weggeschnappt haben. Stargates nur für NullSec-Powerblöcke also eher nicht.

Der Stargate-Bau will genau aus diesem Grund vernünftig gebalanced werden, um die bestehende Schere zwischen groß und klein nicht weiter auseinandergehen zu lassen. Sind Gates so leicht zu bauen das es sich jede mittelgroße Corp leisten kann? Dann wären auch kleinere Zielbereiche denkbar, die nicht in riesige unbekannte Regionen führen sondern evtl. nur in ein einzelnes bisher unentdecktes System. Werden die neuen Gates möglicherweise (loretechnisch: aus Gründen der frühen Entwicklungsstufe) Massebeschränkungen haben, so dass der Zugang für Vets wie für Noobs möglich ist? Findet sich auf der anderen Seite eher spielergenerierter Inhalt oder mehr (natürlich hochwertiges) PvE? Werden die Ziele in die bestehende Lore-Struktur passen, möglicherweise unter Einbeziehung der erschienenen Bücher? Oder doch etwas völlig Neues?

Und nicht zuletzt – wie wird das Ziel technisch markiert? Diese auf den ersten Blick uninteressante Frage führt uns zu einer Reihe sehr spannender Überlegungen bezüglich der Ziele der neuen Stargates. Wenn das Gate „irgendwohin“ führt, ohne das man schon sagen könnte wo genau das ist und was dort wartet (ähnlich einem D-Scan, der auf seinem Scan-Weg zufällig ein Sonnensystem streift), könnte das Risiko zu hoch / der erwartete Benefit zu gering sein um die Mühsal des Gate-Baus auf sich zu nehmen.

Muss das Ziel jedoch durch eine Art Cyno-Schiff markiert werden (ist also vorher schon bekannt), kann es sich nur um Ziele im bereits entdeckten Raum handeln – was die Abenteuerlustigen unter uns einigermaßen dämpfen würde. Eine interessante Nuss die CCP da Gameplay- und Lore-seitig zu knacken haben wird. Schauen wir mal auf die Möglichkeiten im Einzelnen, die grundsätzlich für die Gate-Ziele existieren.

Bekannter Raum – Known Space

Klingt wie eine Tautologie, ist aber keine – gemeint ist der Bau von Toren in Richtung des heutigen Known Space (HighSec, LowSec, NullSec). Aus Erkundungssicht so gut wie uninteressant, könnte der Bau von Toren in diese Zielsysteme wundervolle logistische Möglichkeiten mit sich bringen. Vor kurzem wurde die lang vermutete Einschränkung der Power Projection für NullSec Allianzen angekündigt, mit Gates in den „known space“ könnte man genau diese (teilweise) wieder aufheben. Das wäre dann vergleichbar einem NullSec Todesstern der ultimative Vorteil vor den Feinden die keine Gates haben. Der erlangte Vorteil würde sich weiter verschärfen, wenn der Erbauer den Zugang zu „seinem“ Gate beschränken kann, also nur Freunde hindurchlässt.

Darüber hinaus ergäben sich natürlich auch logistisch völlig neue Möglichkeiten. Eine direkte Route von abgelegenen Gebieten in die großen Trade-Hubs wäre so machbar, was vielen JF Piloten eine Menge Arbeit ersparen könnte. Die Logistik der großen Allianzen (und bei fehlendem Zugriffkonzept: kleinerer Nutznießer) würde sich so mit eigenen Gates erheblich vereinfachen, auch der Markt für Offshore-Trader könnte so stark beeinflusst werden.

Warum aber auf Trade-Hubs verlassen? Mit eigenem Gate-Bau könnte man problemlos eigene Trade-Hubs an gut zu verteidigenden Punkten errichten. Wenn ein System gut an mehrere Regionen angebunden ist, kann es potentiell zum Trade-Hub werden. Wer selbst für die Anbindung sorgt, kann so den Handel gleichmäßiger über New Eden verteilen.

Natürlich geht mit dem Bau von Gates (gerade wenn es kein Einmal-Ereignis sein soll) auch die Zerstörung von Gates einher, sonst hat man bald eine unüberschaubare Anzahl an Verbindungen zwischen den Systemen. Das birgt natürlich auch neue Möglichkeiten, die bestehenden Logistik-Routen zu unterbrechen und Trade Hubs zu stürzen (Jita burn!). Man darf gespannt sein wie weit CCP hier wirklich zu gehen bereit ist.

Es ist sehr wahrscheinlich dass CCP zumindest Starter-Gebiete und große Trade-Hubs vom Gate-Bau ausschließt, um übermächtige und ungewollte Übergriffe zu verhindern. Möglich wäre es, dass man auch auf Null-Low-High Übergänge achtet, um die Struktur der Sternenkarte nicht völlig zu zerstören. Sonst könnten hinter jedem HighSec-Gate Sov-Holder mit Super-Caps und Jump Bridges warten. Gate-Bau also nur an Übergängen, möglicherweise nicht mal ins HighSec? Das würde Zielgruppe und potentielle Nützlichkeit schon arg einschränken, und könnte sowohl den Implementierungsaufwand der Mechanik, als auch den Bauaufwand bei den Spielern kaum rechtfertigen. Denn wo wäre dann noch der Witz?

Wenn ich also gedanklich nicht irgendwo falsch abgebogen bin, ist der heutige „Known Space“ als Ziel von spielergebauten Stargates eher unwahrscheinlich.

Bekannter Raum – Unknown Space

Auch hier wohnen und fliegen schon Spieler, damit ist der Raum bekannt. Bezeichnet wird er jedoch als „unknown space“, erreichbar bisher ausschließlich über Wurmlöcher. Als solcher würde sich für diesen Raum mit Gate-Bau natürlich am meisten ändern. Die Möglichkeiten sind ähnlich des „known space“. Die Gates könnten verwendet werden um neue Handels- und Versorungsrouten aufzumachen, und natürlich um (mit Gate-Bau) die Feinde zu erreichen oder (mit Gate-Zerstörung) auszuschließen. Die bestehenden Massebeschränkungen (und neuen Frig-Minilöcher) könnten so umgangen werden.

Macht das Sinn? Nein. Die gesamte WH-Mechanik verlässt sich auf die erschwerte Zugänglichkeit, und dieses Alleinstellungsmerkmal wäre ernsthaft in Gefahr wenn Gatebau in und zum Wurmloch plötzlich möglich wäre. Der „unknown space“ würde somit zu einem neuen NullSec mit lohnenswerteren Sleeper-Ratten. Also, ebenfalls sehr unwahrscheinlich dass CCP darüber nachdenkt.

Unbekannter Raum – Jove

Unsere lieben Jove-Nachbarn, ziemlich depressiv, mit Fortpflanzungsproblem wegen Überzüchtung sind sie uns doch technisch weit voraus. Man munkelt dass CCP dort lebt, und ab und an mit übermächtigen Jove-Schiffen durch den uns bekannten Raum düst. Wenn also jemand eine Gegenstelle für unsere ersten Gate-Versuche (*haha Wortspiel) zur Verfügung stellen könnte, dann ja wohl die Jove, oder?

Allerdings würde CCP damit einen der letzten großen Mythen entzaubern. Schon heute ist der Jove-Space eine normal-große Region, und wäre damit schnell erkundet. Neue Ratten / Loot Drops wären schnell kategorisiert und aufgeschrieben – und schon wäre es vorbei mit dem großen Jove-Geheimnis. Aus strategischer Sicht würde ich CCP deswegen raten, lasst die Jove weiter in Ruhe – und schaut weiterhin ab und an mal in schicken Jove-Schiffen rein. Das erhält den Mythos am Leben und die Spieler am Grübeln.

Neue PvE Missionen könnt ihr wirklich auch anders generieren, ohne dafür einen so wertvollen Jove-Gott opfern zu müssen.

Unbekannter Raum – unbesuchte Völker

Was bleibt also? Das völlig Unbekannte. Eine CONCORD Präsenz im bisher unentdeckten Raum kann vermutlich auch der talentierteste Lore-Schreiber nicht erklären, daher muss es wohl gesetzloser Raum sein – eben wie NullSec. Und das müsste dann auch wirklich Neues bieten. Jede einfache Erweiterung auf „mehr Platz“ wäre wie „einfach mehr vom NullSec“ – und damit für den Großteil der Spieler uninteressant.

Um dem Schicksal des „mehr NullSec“ zu entgehen muss CCP hier also auch wirklich neue Inhalte bringen. Inhalte, die für möglichst viele Spieler erlebbar (also nix da „nur für die großen Powerblöcke“) sind, und möglichst interessante und spannende Erfahrungen bieten. Unabhängig von der Mechanik muss der Raum ja mit irgendwas gefüllt sein. Daher muss es auch Erbauer dieser bisher unbekannten Strukturen geben, und das bedeutet: es gibt neue Völker. Es wäre natürlich jammerschade diese nur als weitere Missionsagenten und NPC-Moorhühner abzubilden, aber selbst wenn – zumindest ein gerüttelt Maß Hintergrundgeschichte wird wohl drin sein.

Die Frage des technischen Entwicklungsstandes beantwortet sich schnell. In einem PvP Spiel ein den Spielern technisch unterlegenes Volk zu servieren wäre schlicht witzlos. Daher muss es ein mindestens gleichwertiger technischer Stand sein (aber wie will man das erklären, noch ein verlorenes Volk?), oder ein weit überlegener Stand (Ureinwohner New Edens, ihr Erbauer der ersten Gates, wo seid ihr?). Ein Problem: wer PvP-technisch auf ein überlegenes Volk trifft, ist schnell Asche. Also doch eher ausgestorben mit ein paar Relikten? Die Sleeper jedenfalls wurden genauso implementiert.

Der neue Raum wiederum muss irgendwie beschaffen sein – wenn sich nicht 10.000 neugierige Spieler am Fertigstellungstag des ersten Gates alle im gleichen System aufhalten sollen, muss also im Ziel schon eine Art Gate-Netzwerk existieren. So können sich all die wagemutigen Helden auch im neuen Raum schön verteilen und ungestört neue Abenteuer erleben. Das gilt natürlich nur, wenn CCP seinen „One Universe“ Ansatz beibehält. Eine denkbare Alternative wäre nämlich die Weiterentwicklung von instanziierten Spielinhalten (wir denken an die Komplexe) – eine Art WoW-Dungeon im All. Das bringt Entlastung bei der Performance. Allerdings würde damit wohl nur der „mehr PvE“ Jieper befriedigt. Alles was Leben, (PvP) Kämpfen, Bauen heißt macht in so einer Umgebung nur sehr bedingt Sinn. Also auch eher unwahrscheinlich.

Was bleibt?

Ihr seht, die Informationslage ist dürftig, so dass Spekulationen natürlich Tür und Tor geöffnet sind. Jedoch lassen sich einige Aspekte der Welt hinter den „Player-Built Stargates“ bereits deduktiv ermitteln, oder zumindest können wir schon mal wahrscheinliche Szenarien an die Wand malen. Wenn ich mit meiner Jove-Schutz-Theorie Recht habe, und CCP den Bau im Known Space als ähnlich ‚kostspielig für eine einfache Abkürzung‘ empfindet, können die Gates sinnvollerweise nur in völlig unbekannte Welten führen.

Gates-Bauen wurde bisher als Aufgabe für ganz New Eden beschrieben, was entsprechend viele Spieler einbeziehen müsste. Damit müsste die Zielregion aber auch dementsprechend ausgedehnt sein, um die Entdecker nicht alle in ein System zu ferchen. Die Bewohner dort sind uns aller Wahrscheinlichkeit technisch überlegen, und sehr wahrscheinlich auch schon längst ausgestorben – also wieder tote Götter die wir anschließend schön ausplündern dürfen.

Alles in allem ist es wie immer: Spaß ist, was man daraus macht. In diesem Fall schaue ich voller Hoffnung auf die kreativen CCP-Köpfe, auch wenn wohl Geduld wohl die wichtigste Voraussetzung für den Stargate-Bau sein wird. ^^

Kandoli

 

P.S.: Für die Verschwörungstheoretiker unter uns: Hat eigentlich schon mal jemand daran gedacht, dass man einen Weg quer durch das Universum auch von beiden Seiten graben kann? Serenity ahoi?

*lol*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.